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Der Wert der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit

Jugendliche halten Transparent


Ausgangspunkt der Darstellung stellt die interne Studie „Außerschulische Jugendarbeit. Leistungsbericht Bundes-Jugendförderung 2012“ von Sybille Reidl unter Mitarbeit von Franziska Marbler, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH - POLICIES – Zentrum für Wirtschafts- und Innovationsforschung dar. Diese Studie wurde im Auftrag des [damaligen] Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend, Abteilung II/5 – Jugendpolitik zum Zwecke der Entwicklung von Kennzahlen für die Umsetzung der wirkungsorientierten Haushaltsführung gemäß Bundeshaushaltsgesetz 2013 (BHG 2013) erstellt.

Die verbandliche außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit bietet flächendeckend in Österreich Angebote und Aktivitäten an, die von über 1,5 Millionen junger Menschen regelmäßig in Anspruch genommen werden. Die Vielfalt dieser Angebote reicht von Gruppenstunden bis zu offenen Jugendtreffs, von Kreativ-Camps bis zur individuellen Begleitung am Weg zur Beschäftigungsfähigkeit, von Spieleabenden bis zu mehrwöchigen Lehrgängen. Die verbandliche Jugendarbeit leistet großartige und wichtige Beiträge, wenn es darum geht, junge Menschen zu fördern und zu stärken. Sie bildet – gemeinsam mit der offenen Jugendarbeit und der Jugendinformation – neben Familie, Schule und Kinder- und Jugendhilfe eine weitere wichtige Säule, die Jugendlichen Sicherheit und Zukunft bietet. Jugendarbeit liefert zu vielen Bereichen, die für junge Menschen relevant sind, wertvolle Beiträge: Unter anderem die für Heranwachsende so wichtigen Freiräume mit der Möglichkeit zur Rekreation und zur Sozialisation mit Gleichaltrigen; die Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Themen; Orientierung und Begleitung; das soziale Lernen,  das dabei ständig passiert, etwa im Hinblick auf Teamfähigkeit und Kommunikation; viele Aspekte des informellen Lernens, wie Planung, Eigenverantwortung, Projektverantwortung und Management etc. und kreative  Entfaltungsmöglichkeiten etc.

Die Leistungen der Jugendarbeit sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit! Getragen wird die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit in Österreich von derzeit 38 bundesweit tätigen Kinder- und Jugendorganisationen – mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten, wie Natur, Brauchtum, Religion, Politik, Musik, soziales Engagement, etc. – mit einer verbandlichen Struktur und meist regelmäßigen Treffen in Gruppen. Möglich machen das über 160.000 ehrenamtlich engagierte und qualifizierte Freiwillige.

Das konkrete Leistungsspektrum dieser freiwilligen Jugendarbeitsfachpersonen im Bereich der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit reicht von der Organisation und der Betreuung von Gruppenstunden, Kinder- und Jugendlagern und Veranstaltungen, bis hin zu Informations- und Beratungstätigkeiten oder der Durchführung von Projekten.

Diese Angebote sind für die teilnehmenden jungen Menschen förderlich und somit gesellschaftlich wünschenswert! So betont beispielsweise der Rat der Europäischen Union in einem Dokument (Schlussfolgerungen des Rates zur Verstärkung der Jugendarbeit im Interesse des gesellschaftlichen Zusammenhalts (2015/C 170/02)), „dass Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag zur persönlichen — einschließlich der beruflichen — Entfaltung, zur Förderung der Werte der sozialen Inklusion, kulturellen Vielfalt und aktiven Bürgerschaft sowie zur Gewährleistung eines auf gegenseitigem Respekt und Toleranz basierenden Peer-Umfelds leistet

Ausgehend von diesem Grundkonsens ist es legitim, die Frage zu stellen, welchen monetären Aufwand die Erbringung dieser Leistungen der Jugendarbeit erfordern würde, sollte die Arbeit nicht freiwillig sondern von entsprechend zu entlohnenden Fachkräften im Angestelltenverhältnis erbracht werden.

Um diesen Wert der im Bereich der außerschulischen, verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit geleisteten ehrenamtlichen Arbeit zu beziffern, werden folgende Quellen herangezogen:

  1. Die Arbeit von Christoph Badelt und Eva Hollerweger: „Das Volumen ehrenamtlicher Arbeit in Österreich“ (Working Paper Nr. 6, Wien, 2001)
  2. Referenzzahlen aus der Studie IFES „Freiwilliges Engagement in Österreich“ (2012)
  3. Die vom BMFJ erhobenen Kennzahlen für die Umsetzung der wirkungsorientierten Haushaltsführung

Bei Badelt und Hollerweger (2001) erfolgt die Orientierung an der Minimalvariante – einer sehr konservativen Schätzung des Arbeitsvolumens Freiwilliger, die nur jene Personen miteinbezieht, die häufiger als 30 Tage im Jahr ehrenamtlich tätig sind (also im Schnitt mindestens jede zweite Woche). Das Arbeitsvolumen aller anderen Freiwilligen wird mit null bewertet. Da die Daten des BMFJ keine Informationen über das Arbeitsvolumen der Freiwilligen in der außerschulischen Jugendarbeit beinhalten, werden als Referenzrahmen die Ergebnisse der IFES-Studie von 2012 herangezogen – es wird also angenommen, dass die hier untersuchten Freiwilligen ähnlich strukturiert sind wie alle Freiwilligen bzw. Ehrenamtlichen in Österreich. Daher wird auch auf sie ein Prozentsatz von 28%  an Personen, die mehr als 30 Tage im Jahr freiwillig tätig sind, angenommen.

Der Zeitaufwand für formelle Freiwilligenarbeit in Organisationen machte 2012 je nach Bereich im Schnitt zwischen 2,6 und 4,3 Stunden innerhalb der letzten 7 Tage aus – so die IFES Studie. Wenn man die Ergebnisse von Badelt und Hollerweger extrapoliert, der zwischen 1982 und 2000 eine sinkende zeitliche Beteiligung von 6,22 auf 5,07 Stunden pro Woche diagnostiziert, erhält man gegenwärtig ebenfalls einen Wert von 4,3 Stunden freiwilliges Engagement pro Woche. Für eine sehr konservative Schätzung wird der untere Wert von 2,6 Stunden herangezogen, für eine moderate Schätzung der höhere Wert von 4,3 Stunden.

Die Plausibilität dieser Annahmen kann durch folgende beispielhafte Überlegung deutlich gemacht werden: Angenommen wird eine Person, die eine wöchentliche Gruppenstunde freiwillig leitet. Diese „Gruppenstunden“ dauern zumeist tatsächlich 1,5 Stunden. Hinzukommt kommt die Zeit für die Vorbereitung (Auswahl des Themas und/oder Methoden; Vorbereitung des Materials; etc.) und Nachbereitung (evtl. Dokumentation und Nachbesprechung; „Aufräumen“; etc.) von insgesamt etwa 1 Stunde. Rechnet man Team- und Planungsbesprechungen sowie punktuelle Aktivitäten (Ausflüge, Wochenend-Lager, Sommer-Lager, Feste etc.) hinzu bzw. auf die wöchentliche Leistung um, so ist die Annahme von 2,6 bzw. 4,3 Stunden pro Woche nachvollziehbar.

 

Dies bedeutet für die außerschulische verbandliche Kinder- und Jugendarbeit in Österreich:

Von den 168.646 freiwillig Tätigen (lt. Kennzahlen des BMFJ 2014) wird nun angenommen, dass 28% – das sind 47.221 Personen – mehr als 30 Tage im Jahr ehrenamtlich tätig waren und durchschnittlich 2,6 bzw. 4,3 Stunden pro Woche in der Jugendarbeit engagiert waren. Dies entspricht einer Arbeitsleistung von 122.774 bzw. 203.050 Stunden pro Woche. Wird nun von 47 „Arbeitswochen“ pro Jahr ausgegangen, summiert sich die Arbeitsleistung der in der außerschulischen Jugendarbeit ehrenamtlich Tätigen auf 5,7 Millionen beziehungsweise knapp 9,5 Millionen Arbeitsstunden. Bei einer Jahresarbeitszeit von 1786 Stunden (38 Wochenstunden nach BAGS-KV, 47 Wochen) ist gleichbedeutend mit 3.231 beziehungsweise 5.343 Vollzeitstellen.

Nimmt man nun den Lohn der Verwendungsgruppe 2 des BAGS Kollektivvertrags (Kindergartenhelferinnen in Ausbildung, Besuchs-, Begleitdienste, Klubbetreuerinnen im Seniorenbereich etc.), der am ehesten der Tätigkeit von Jugendarbeitsfachpersonen entspricht, als Maßstab zur Vergütung der ehrenamtlich geleisteten Arbeitszeit, dann würde eine Vollzeitstelle im Jahr Brutto-Brutto-Lohnkosten von Euro 28.646,30 bedeuten. Würde die freiwillig und unentgeltlich erbrachte Arbeit abgegolten  werden, würde dies somit insgesamt Kosten von Euro 92,5 Mio. bzw. 153 Mio. jährlich bedeuten.

Dem stehen insgesamt rund Euro 5,8 Mio. an Förderungen gemäß Bundes-Jugendförderungsgesetz an jene Einrichtungen der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit gegenüber, welche bei den Kennzahlen erfasst sind. Hinzu kommen rund € 3 Mio. an Fördergeldern der Bundesländer für die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit. Seitens der Gemeinden werden der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit nur in Einzelfällen Fördermittel zur Verfügung gestellt, welche hier vernachlässigt werden können. Es kann somit von einer Summe von insgesamt rund Euro 8,8 Mio. an Förderungen der öffentlichen Hand ausgegangen werden. Auch wenn die tatsächliche Leistungserbringung der freiwillig Tätigen in einigen Kinder- und Jugendorganisationen auch von Finanzierungen und von Ressourcen einer „übergeordneten Mutterorganisation“ (Kirche, Gewerkschaft, Partei etc.) abhängt, so stellen dennoch die Fördermittel der öffentlichen Hand den wesentlichen Beitrag dar, der für die hier angestellten Überlegungen relevant ist:

In diesem Sinne und unter diesen Einschränkungen ist es möglich, die Fördermittel der produktiven freiwilligen Leistung gegenüber zu stellen:

 

Jeder eingesetzte Förder-Euro aus öffentlichen Mitteln ermöglicht so freiwillig geleistete Arbeit im Wert von Euro 10,48!

Hierbei handelt es sich um eine sehr konservative Schätzung. Geht man von einer höheren durchschnittlichen Arbeitszeit von 4,3 Stunden aus, wie aus den Ergebnissen von Badelt und Hollerweger extrapoliert, ermöglicht jeder Förder-Euro sogar freiwillig geleistete Arbeit im Wert von Euro 17,33.

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Kontakt

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Bundeskanzleramt
(Sektion Familien und Jugend)
Abteilung Jugendpolitik
1020 Wien,
Untere Donaustraße 13–15
Tel: +43 (0)1/53115
E-Mail: jugendpolitik@bka.gv.at
Web: www.frauen-familien-jugend.bka.gv.at


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